Raphaela Samira Narath - Discgolf
500 Würfe pro Tag für die große Chance
Unverhofft kommt oft. So auch im Fall von Raphaela Narath. Als während der COVID-Zeit 2021 Outdoor-Aktivitäten boomten, griff die Steirerin erstmals zum Frisbee und spielte mit Freunden eine Runde Discgolf. „Das Gefühl für die Scheibe war relativ schnell da“, erinnert sich Narath, die zuvor zwar sportlich aktiv war (Judo, Gymnastik), aber nie ein Frisbee in der Hand hatte.
Die Leidenschaft war geweckt, Narath begann beim Disc Golf Club Graz und nahm die ersten Turniere in Angriff. „Dazu musste ich überredet werden“, schmunzelt sie. „Bei meinem ersten Turnier in Ljubljana habe ich schlecht gespielt, aber es hat Spaß gemacht. Beim nächsten Turnier war ich auf dem Podest, national konnte ich wenig später die ersten Siege einfahren.“
Die vorläufigen Highlights: Division-Sieg bei den European Amateur Open und die Teilnahme bei der Team-WM 2024 in Australien. „Das war ein richtig cooler Meilenstein, da habe ich gemerkt, dass ich so etwas öfter erleben will.“ Bei den World Games 2025 gelingt ihr genau das.
Vor Großevents intensiviert Narath das Training. „Man weiß ja, was einen vor Ort ungefähr erwartet. In China wird es sehr heiß, bis zu 40 Grad und dazu die hohe Luftfeuchtigkeit, das wird körperlich und mental fordernd. Deshalb habe ich vermehrt auf Ausdauertraining gesetzt und versucht, mich an die Hitze zu gewöhnen.“
Geputtet wird im eigenen Garten. „Ich putte täglich eine Stunde, das sind ungefähr 500 Würfe. Dazu dreimal pro Woche auf dem Kurs, da kommen einige Stunden zusammen.“ Und das alles neben Job und Familie. Narath ist als Geschäftsführerin beim Österreichischen Discgolfverband tätig und arbeitet zudem in der Versicherungsbranche. „Für die World Games habe ich sogar Job gewechselt, aus einer Kanzlei in die Versicherung. Dort wurde mir eine Dreitageswoche garantiert und ich kann mein Training planen“, so die Mutter von zwei Kindern.
Wie sie alles unter einen Hut bringt? „Ich habe ein tolles Netzwerk: Meine Familie, mein Mann unterstützen mich, wo es geht.“ Auch bei den World Games in Chengdu kann Narath auf familiäre Unterstützung zählen: Eltern, Mann und Kinder reisen nach China, um sie anzufeuern.
„Alleine deswegen werden die World Games für mich besonders. Es ist eine große Ehre, dabei zu sein. Wir haben es uns als Sportart verdient und erkämpft, es geht vor allem um die Sichtbarkeit, ich sehe es als große Chance. Ich habe mir die Liste mit Sportarten schon ein paar Mal angeschaut, einige kenne ich selber nicht. Diesen Sportarten auch das Sprungbrett zu geben, ist fantastisch.“
Bei den World Games wird im Alternate-Mixed-Double gespielt. Ein Team besteht somit aus einer FPO-Spielerin und einem MPO-Spieler, für Österreich sind das Narath und Stanislaus Amann. Die 16 Nationen werden zuerst in vier Gruppen unterteilt, wobei am ersten Wettkampftag die Gruppenmatches stattfinden. Die jeweils zwei bestplatzierten Nationen jeder Gruppe kommen in den K.O.-Turnierbaum um die Plätze eins bis acht, die anderen Teams spielen die Plätze 9 bis 16 aus. Alle Partien werden als Matchplay auf dem neuen Pop-Up Kurs im Guixi Ecological Park gespielt.