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Verrücktes Labyrinth: Schlangen sind nicht die größte Sorge

Irgendwo im Nirgendwo sind Körper und Geist voll gefordert

Österreichs Orientierungsläufer:innen machten sich am Donnerstag mit den Bedingungen für die Mitteldistanz bei den World Games in Chengdu (7. bis 17. August 2025) vertraut.

Schon nach den ersten Metern war klar: „Das wird ein großes Abenteuer!“ Bei dem durchaus auch Schlangen um die Ecke schauen können, wie beim Model Event schnell klar wurde. Dass die herausfordernden Bedingungen auf Körper und Geist wirken, könnte im Kampf um die Medaillen die Karten völlig neu mischen.

Irgendwo im Nirgendwo

Ein bisschen hatte das erste Kennenlernen des Gebiets für den Orientierungslauf etwas vom „Verrückten Labyrinth“, diesem Kult-Brettspiel aus den 90er-Jahren. Viele Wege führen ins Ziel.

Wobei es hier in Chengdu gar nicht so viele sind. „Um den richtigen Weg zu finden, muss man überhaupt erst einmal erkennen, dass es überhaupt ein Weg ist“, fasst Anna Gröll ihre ersten Eindrücke zusammen.

Am Donnerstag stand das Model Event für die Mitteldistanz auf dem Programm, also eine erste Orientierung vor dem Orientierungslauf. Vom Athlet:innen-Dorf ging es mit dem Bus in die chinesische Pampa.

„Irgendwo ins Nirgendwo“, meinte Matthias Reiner, um schnell festzustellen, dass dieses Nirgendwo viele Tücken und Herausforderungen zu bieten hat. Erst recht nach dem morgendlichen Regenschauer. „Es ist sumpfig, gatschig, wahnsinnig rutschig und ein Gelände, wie wir es in Europa gar nicht kennen.“

Alles ist möglich

Also ging es durch Mais- und Reisfelder, vorbei an kleinen Bauernhöfen und noch nicht gebratenen Enten zu den verschiedenen Checkpoints.

„Die Herausforderung wird sein, die Karte mit dem Gelände übereinstimmen zu lassen, weil es doch sehr kleinteilig ist. Deshalb ist es an manchen Stellen eher unerwartet gezeichnet, was es schwierig macht, überhaupt auf den richtigen Wegen zu bleiben“, fasst Jannis Bonek seine ersten Eindrücke zusammen.

Die Temperaturen tragen das ihre dazu bei, dass dieser Wettkampf den Athlet:innen alles abverlangen wird. War es in den letzten Tagen fast schon unerträglich heiß, kühlte es durch den Regen zwar etwas ab, dafür schnalzte die Luftfeuchtigkeit auf 100 Prozent nach oben.

„Gut hat es sich nicht angefühlt“, hat Fahnenträger Bonek schon beim „Anschwitzen“ gemerkt, wie die äußeren Bedingungen auf die inneren, durch viele Wettkämpfe automatisierten Prozesse wirken. „Die Gedanken werden langsamer und das wirkt sich natürlich auf die Entscheidungen aus.“

Für den Kärntner Reiner bieten sich dadurch aber neue Chancen. „Vielleicht spielt uns das sogar in die Karten, weil hier kann wirklich alles passieren, wenn du keine Fehler machst. Es geht nicht so sehr um die Physis, als vielmehr darum, die Posten wirklich richtig zu treffen.“

Schlange gesichtet

Das ist am Freitag auf der Mitteldistanz nur den Herren vorbehalten. Ylvi Kastner kämpft noch mit den Nachwehen einer Erkältung, geht mit Blickrichtung Sprint-Bewerbe auf Nummer sicher, auch Anna Gröll fokussiert auf die schnellen Medaillen-Entscheidungen im urbanen Chengdu und dort auf Asphalt.

„Ich habe mir im Training schon das eine oder andere Mal gedacht, wann die Schlange irgendwo hochkommt.“ Anders als einer tschechischen Konkurrentin blieb ihr diese Erfahrung am Donnerstag jedenfalls erspart. Bonek und Reiner machen sich darüber weniger Gedanken: „Im Wettkampf blendet man das Rundherum sowieso aus, da liegt der volle Fokus auf der Karte!“

Die Mitteldistanz der Herren wird am Freitag ausgetragen, der erste Athlet startet um 3:40 Uhr (MESZ). Die Athleten gehen zeitversetzt ins Rennen und werden – je nach Streckenverlauf – rund 35 Minuten unterwegs sein.