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Faustball - Herren

Große Ziele für das "Mini-Olympia"

Kapitän Jean Andrioli ist mit 86 Länderspielen der erfahrenste Spieler im österreichischen Faustball-Nationalteam.

Im Interview gibt er interessante Einblicke in eine ungewöhnliche Karriere in zwei verschiedenen Nationalteams, erzählt vom speziellen Reiz der World Games und denkt auch schon an die Zeit nach Birmingham.

Du warst für Österreich bereits bei 10 internationalen Großereignissen dabei. Nach fünf Europameisterschaften und drei Weltmeisterschaften stehen nun - nach Cali 2013 und Wroclav 2017, deine dritten World Games auf dem Programm.

Jean Andrioli: Eigentlich stehe ich jetzt bereits vor meinen fünften World Games, da ich zuvor ja auch schon zweimal mit dem brasilianischen Team teilgenommen habe. Das erste Mal 2005 in Duisburg, als wir das Finale gegen Österreich verloren haben, und das zweite Mal 2009 in Taiwan, wo wir Gold gewonnen haben. 2013 in Kolumbien war ich dann schon im österreichischen Nationalteam im Einsatz.

Welchen Stellenwert haben die World Games für Dich?

Andrioli: World Games sind ganz anders im Gegensatz zu Weltmeisterschaften, die ja immer in Ländern stattfinden, in denen Faustball einen besonderen Stellenwert hat. Bei den World Games ist das ein wenig anders. Da merkt man schon bei der Ankunft, dass die gesamte Stadt im Zeichen der World Games steht. Die Stimmung, auch unter den Zusehern, ist entsprechend anders. Es ist sehr spannend, wie unterschiedlich die Zuseher in den verschiedenen Austragungsländern mitgehen und reagieren. Ein Großevent mit anderen Sportarten, das ist zumindest wie „Mini-Olympia“, ein ganz spezieller Reiz.

Was macht – im Vergleich zu Europa- und Weltmeisterschaften – den besonderen Reiz der World Games aus?

Andrioli: Für mich haben die World Games sportlich denselben Stellenwert wie Weltmeisterschaften. Bei beiden Veranstaltungen treffen die besten Teams der Welt aufeinander. Das Flair bei den World Games ist halt anders, alles ist viel größer. Wenn ich daran denke, dass wir uns bei der Eröffnung gemeinsam mit mehr als 3.000 anderen Sportlerinnen und Sportlern in einem Stadion vor 45.000 Zuschauern präsentieren, ist das schon ein Highlight.

Welche Ziele habt Ihr Euch im Team gesetzt?

Andrioli: Unser Ziel ist sicher eine Medaille. Die Goldmedaille ist möglich, wir wissen, was in unserem Team steckt. Die Stimmung ist super. Ich glaube, wir waren von der Leistung her noch nie so nahe dran an Gold wie jetzt. Es muss natürlich alles passen, dann haben wir sicher Chancen. Wir haben ein gutes Team mit vielen Optionen, und alle zehn Spieler werden ihren Teil zum Erfolg beitragen müssen. Ich bin seit 2011 Teil des österreichischen Teams und habe entsprechend viele Erfahrungen bei so großen Turnieren sammeln können. Die Erfahrung, mit Drucksituationen umgehen zu können, ist sicher etwas, womit ich mich – auch als Kapitän – entsprechend einbringen kann.

Was sind Deine persönlichen Ziele?

Andrioli: Bei mir persönlich läuft es gerade sehr gut. In der Bundesliga sind wir mit Freistadt Tabellenführer, ich fühle mich gut in Form. Bei den World Games will ich auf jeden Fall voll Gas geben. Danach würde ich meine Teamkarriere gerne mit der Weltmeisterschaft 2023 in Deutschland beenden. Ich hoffe, dass es sportlich weiterhin so gut läuft und ich mich für den WM-Kader qualifizieren kann. Wenn bis dahin schon jemand besser ist, stelle ich meinen Platz gerne zur Verfügung. Ich werde alles für dieses Ziel geben, und das erwarte ich auch von den potentiellen Nachfolgern. Freiwillig gebe ich meinen Platz nicht auf, es muss jemand kommen, der besser spielt als ich. So bin ich auch gekommen, und so werde ich wieder gehen.

Gibt es noch etwas, das Du „loswerden“ möchtest?

Andrioli: Wir freuen uns schon auf die World Games und sind schon richtig heiß auf die Spiele. Wir fahren sicher nicht nur spazieren. Wir haben ein Ziel, und eine Medaille bringen wir heim!