Sport Austria - Interessenvertretung und Serviceorganisation des organisierten Sports in Österreich.

Digitale Trainingsanleitung

Sportunterricht und Trainingsanleitungen via Skype, Zoom & Co – Chancen und Gefahren


Trainer und Trainerinnen sind vor allem für Kinder und Jugendliche wichtige und prägende Personen. Verantwortungsvoll durchgeführt kann durch achtsame Vermittlung von Sport das Leben von Kindern in vielerlei Hinsicht positiv beeinflusst werden. Sei es als Vorbild, als MotivatorIn oder auch als mögliche Hilfsperson.

Aufgrund der COVID-19 Maßnahmen fanden und finden nun vermehrt Trainingseinheiten per Skype, Zoom & Co statt, was den Vorteil hat, dass die Anleitung zum Sport und die Motivation sich weiterhin körperlich zu betätigen auch bei eingeschränkten Möglichkeiten sich gemeinsam zum Training zu treffen aufrecht bleibt. Online-Trainingseinheiten bieten zeitliche und räumliche Flexibilität und kommen dem aktuellen Lebensumständen und Bedürfnissen von vielen SportlerInnen entgegen. Die alltägliche Praxis von Sportunterricht und Trainingsanleitungen via Skype, Zoom & Co bedarf eines sehr verantwortlichen Umgangs und einer klaren und schützenden Haltung der TrainerInnen – ganz besonders bei einem Training von und mit Minderjährigen.

Dazu hat "die möwe" im Folgenden einige Tipps zusammengestellt, wie auch hier ein wirksamer, respektvoller und gewaltfreier Umgang gelingen kann:
 

1. Bereiten Sie sich gewissenhaft vor und fördern Sie die Transparenz

Vorab gilt es, auf die derzeitigen Möglichkeiten der Anleitung zum Sport mit Positivformulierungen aufmerksam zu machen und passende organisatorische und strukturelle Rahmenbedingungen für die Trainingseinheiten zu schaffen.

  • Termine vereinbaren und Information über zeitliche Dauer der digitalen Trainingseinheiten geben
  • Identität der Teilnehmenden muss vor Beginn der Video-Konferenz festgestellt werden (z. B. Skype-Adresse per SMS schicken lassen)
  • Risiken der Datenübertragung via Internet vorher abklären (z. B. unbefugter Zugriff Dritter auf (sensible) Daten verunmöglichen)
  • Das Einverständnis für Training per Skype oder Videokonferenz ist vor Sportunterricht und Training unbedingt von der teilnehmenden Person einzuholen – bei Kindern vom obsorgeberechtigten Elternteil. Dies sollte nach Möglichkeit schriftlich z. B. in Form von E-Mail, Skype-Nachricht oder SMS geschehen. Mögliche Formulierung: Ich, Name (ggf. Verhältnis zum Kind), bin damit einverstanden, dass die Trainingseinheit auch per Skype oder Zoom stattfindet.
     

2. Seien Sie sich Ihrer Rolle bewusst

Klar definierte Rollen ermöglichen einen respektvollen Umgang miteinander. Durch die Trainingsbedingungen und -ziele, die vorgegebenen Abläufe, das sportbezogene Setting ist die trainingsbezogene und damit aufgabenorientierte Beziehung zwischen TrainerIn und Anzuleitenden bestimmt: Eine unterstützende Erwachsenen-Kind- oder Trainings-Beziehung mit dem Ziel gemeinsam Sport zu machen oder anzuleiten. Durch eine Verwischung dieser Beziehung durch die Kommunikation via digitaler Medien besteht die Gefahr „aus der Rolle“ zu fallen. Bleiben Sie sich auch online Ihrer Rolle als professionelle/r TrainerIn bewusst und reflektieren Sie die damit einhergehende Autoritäts- oder Machtposition!
 

3. Professionelle Atmosphäre im Privaten schaffen

Zu Beginn einer Trainingseinheit ist es wichtig abzuklären, ob und wer noch im Raum ist bzw. unvermutet hereinkommen kann und dass diese Personen über den Bedarf einer störungsfreien Zeit und Raumnutzung informiert wurden. Alle Teilnehmenden einer Trainingseinheit sind zu informieren wer sie auch digital sehen oder hören kann. Die gewohnte private Umgebung verleitet manchmal zu einem legeren und vertrauteren Umgang. Gerade deswegen ist es umso wichtiger, dass das Vertraute nicht zu unangemessenen Vertraulichkeiten verführt. Die Leitfrage könnte sein: Würde ich auch so sprechen oder handeln, wenn ich mit diesen Menschen im Sportverein bin?
 

4. Achten Sie auf den Rahmen

Sorgen Sie für einen zeitlich und räumlich angemessenen und möglichst ungestörten Rahmen. Richten Sie Ihren Arbeits- bzw. Trainingsplatz vorab her (z. B. Matte, Wasserglas etc.). Wählen Sie einen neutralen Hintergrund und überlegen Sie vorab welche privaten Gegenstände sichtbar sind. Es liegt ebenso an Ihnen, auch beim Gegenüber einen angemessenen Rahmen einzufordern. Insbesondere ist zu berücksichtigen, dass der Beginn einer Trainingseinheit sich durch technische Herausforderungen verzögern kann (ggf. Übermittlung eines Anforderungs-Infoblatts zu technischen Vorbereitungen im Vorfeld).

Beim Training von Minderjährigen ist zudem ein 6-Augenprinzip wünschenswert. Das heißt eine weitere/r SportlerIn sollte anwesend sein. Ist dies nicht der Fall oder aus anderen Gründen nicht möglich, sollten andere Vorsichtsmaßnahmen wie das Prinzip der offenen Tür bei Trainings eingehalten werden.

Der/die TrainerIn hat auch die Verantwortung für den Umgang der Minderjährigen untereinander. Durch die gefühlte Anonymität und Distanz entsteht ein höheres Risiko an Einschüchterung, sexueller Belästigung oder Cyberbullying zwischen den Minderjährigen.
 

5. Achten Sie auf Verhalten und Erscheinung

Kleiden Sie sich trainingsangemessen und sorgen Sie insgesamt für ein passendes äußeres Erscheinungsbild und achtsames Verhalten auch in ihren Bewegungen. In der Wortwahl der Anleitungen sowie bei Rückmeldungen ist auf sachliche und neutrale Formulierungen und Benennungen (von Körperteilen und Bewegungsabläufen) zu achten. Vermeiden Sie jedenfalls bewertende sowie sexistische, insbesondere sexualisierende Aussagen.

Bsp: Eine Jugendliche trägt ein Trägerleibchen, das immer wieder verrutscht. Hier liegt es an Ihnen die Jugendliche respektvoll zu bitten, angemessene Kleidung zu tragen bzw. auf diesbezügliche Richtlinien zu verweisen und dass diese auch außerhalb der Sportstätte gelten sollten.
 

6. Machen Sie sich mit der Technik und digitalen Möglichkeiten vertraut

Klären Sie die Qualität des Internetempfangs vorab. Messengerdienste verfügen über viele nützliche Funktionen, die auch in der Anleitung zum Sport hilfreich eingesetzt werden können. Wesentlich ist es, über das technische Knowhow zu verfügen, eine Trainingseinheit vorab zu planen, andere gezielt dazu einzuladen sowie Kamera und Mikrofon rasch ein-/ausschalten zu können. Einigen Sie sich darüber wer wen sehen oder hören kann und ob zum Beispiel Musik eingespielt wird. Auch wenn sich vielleicht manche Jugendliche mit Skype und Co besser auskennen als Sie selbst, ist es doch wichtig, dass Sie sich selbst damit vertraut machen, um ggf. rasch und effizient agieren zu können. Oft können bei technischen Schwierigkeiten andere rasch weiterhelfen.

Bsp: Während des Unterrichts muss der Trainer auf die Toilette nebenan. Er vergisst das Mikrofon auszuschalten und die Schülerin hört alles mit.
 

7. Bild- und Tondatenspeicherungsregeln vereinbaren

Sowohl seitens des Verbandes als auch privat sind klare Regelungen zu treffen, wer etwaige Aufnahmen von Trainingseinheiten wofür verwenden darf. Speicherungen von Trainingseinheiten bedürfen der Zustimmung aller Teilnehmenden bzw. deren gesetzlicher VertreterIn. Die Art der Nutzung der Materialen (wer darf wem eine Aufnahme zur Verfügung stellen) bzw. gegebenenfalls deren Downloadmöglichkeit ist ebenfalls vorab zu vereinbaren.

Bsp: Eine Trainerin zeigt bei Gruppe B eine Aufnahme einer Trainingseinheit mit Gruppe A als Beispiel wie es nicht richtig ist.
 

8. Seien Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst

Für alle oben angeführten Punkte gilt: Die Verantwortung für den Ablauf einer digitalen Trainingseinheit liegt bei Ihnen. Sie haben dafür Sorge zu tragen, dass Grenzen und Rollen auch in der digitalen Kommunikation gewahrt bleiben. Die üblichen Richtlinien und ein eventueller Verhaltenskodex gelten selbstverständlich bei Sportunterricht und Trainingsanleitungen via Skype, Zoom & Co weiterhin.

Besprechen Sie sich bei Unsicherheiten mit KollegInnen, denn Qualität und Schutz können nur gemeinsam hergestellt werden. Bei Unsicherheiten gilt immer das 4-Augen Prinzip. Ist diese Übung für Zoom geeignet? Wie kann man diese Anleitung machen ohne mittels Körperkontakt zu korrigieren? Wie spreche ich bestimmte Körperteile an?

Es ist wahrscheinlich, dass Ihre KollegInnen teilweise vor denselben Herausforderungen stehen wie Sie. Vielleicht gibt es auch seitens Ihres Vereins schon Vorgaben oder Leitlinien zu dem Thema.

Nehmen Sie bei all den Herausforderungen und Unsicherheiten dieser für alle außergewöhnlichen Zeit Ihre Rolle als Vertraute/r und HelferIn wahr. Vielleicht gibt es auch in Ihrer Gruppe Kinder oder andere, die gerade jetzt großen psychischen Belastungen ausgesetzt oder sogar Opfer von Gewalt sind. Bringen Sie sich als mögliche Vertrauensperson ins Spiel. Gerade jetzt brauchen die Kinder und Jugendlichen Vertrauenspersonen, die ihnen zuhören, die Signale richtig einordnen können und ihnen gegebenenfalls helfen. Als TrainerIn, als UnterstützerIn, als Vorbild!
 

Kontakt

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