Sport Austria - Interessenvertretung und Serviceorganisation des organisierten Sports in Österreich.

Good Governance

Good Governance im Sport

Im Laufe der vergangenen Jahre hat eine Vielzahl an Skandalen und ethisch nicht vertretbaren Handlungen dem Ansehen des organisierten Sports international geschadet. Dopingmissbrauch, Veruntreuung öffentlicher Gelder, Spielabsprachen und Wettbetrug seien hier als exemplarische Vorkommnisse angeführt. Auch der österreichische Sport ist von solchen Verfehlungen nicht verschont geblieben. Als Reaktion wurde auf EU-Ebene eine Initiative zur Förderung und Weiterentwicklung der Good Governance im Sport ins Leben gerufen, um die Verwundbarkeit von Sportorganisationen gegenüber internen und externen Risiken in Zukunft zu minimieren.

Unter Good Governance (wörtlich "gute Regierungsführung", hier etwa: „gute Verbands- und Vereinsführung") wird in diesem Zusammenhang die effiziente bzw. verantwortungsvolle Gestaltung der Verwaltung und Entscheidungsfindung innerhalb einer Organisation verstanden. Neben dem ökonomischen und verwaltungstechnischen Fokus hat die Art und Weise, wie Entscheidungen getroffen werden, eine zentrale Bedeutung. Diese ethische Dimension äußert sich beispielsweise durch Transparenz und Einbeziehung wichtiger gesellschaftlicher Gruppen und Minderheiten in die Entscheidungsfindung, den Bezug zu Menschenrechten, Demokratie und Partizipation. Nicht zuletzt der Druck öffentlicher und privater Geldgeber, die zur Verfügung gestellten Mittel in möglichst effizienter und wirkungsorientierter Form einzusetzen sowie die Verantwortung von Sportorganisationen gegenüber ihren Mitgliedern und weiteren Stakeholdern, legitimieren die Umsetzung von Maßnahmen zur Erhöhung der Good Governance in österreichischen Sportvereinen und -verbänden.

Der vorliegende Good Governance Kodex für den Österreichischen Sport wurde auf Eigeninitiative von Sport Austria erstellt und durch ExpertInnen aus Praxis und Recht in einem mehrmonatigen Prozess weiterentwickelt. Ziel des Dokuments ist es, den Mitgliedern von Sport Austria ein Regelwerk zur Ausgestaltung der Leitung und Aufsicht einer Sportorganisation zur Verfügung zu stellen. Durch die Umsetzung der Richtlinien und die daraus resultierende Einführung von zeitgemäßen Strukturen und Prozessen werden Sportorganisationen sowohl effektiver (i.S.d. Zielerreichung) als auch effizienter (i.S.d. Mitteleinsatzes) in ihrem Handeln. Die Beschäftigung mit strategischen Fragestellungen, wie u.a. der Mission bzw. den langfristigen Zielen, trägt darüber hinaus zu einem zukunftsorientierten Denken innerhalb der Organisation bei, wodurch eine nachhaltige Entwicklung im Sinne der definierten Ziele sichergestellt wird.

Good Governance in Nonprofit Organisationen

Eine Nonprofit Organisation (NPO) ist eine Organisation, die keine wirtschaftlichen Gewinne erzielt, sondern gemeinnützigen Interessen dient. Die Wirtschaftsuniversität Wien versteht darunter Organisationen, die jedenfalls folgende Kriterien erfüllen:

  • Mindestmaß an formaler Organisation (es existiert eine Satzung/Statut oder Gesellschaftsvertrag und es handelt sich um eine juristische Person)
  • Private (also nicht-staatliche) Organisationen (juristische Person des Privatrechts oder juristische Person des öffentlichen Rechts ohne Hoheitsgewalt oder mit Aktivitäten im Ausmaß von unter 5% im Bereich der Hoheitsgewalt)
  • Keine Gewinn- (bzw. Überschuss)ausschüttung an Eigentümer oder Mitglieder, außer es handelt sich wiederum um NPOs, die diese Regel nicht verletzen
  • Minimum an Selbstverwaltung bzw. Entscheidungsautonomie
  • Mindestmaß an Freiwilligkeit (Ehrenamtliche Funktionäre, Freiwilligenarbeit, Spenden o.ä.), außer es handelt sich um die 100% operative Tochter einer NPO, die dieses Kriterium erfüllt. (vgl. WU Wien: Österreichischer NPO-Governance Kodex, 2013; S. 3)

Der Österreichische NPO-Governance Kodex wurde 2013 von der WU veröffentlicht und liefert Empfehlungen zur Gestaltung der Leitung und Aufsicht einer NPO aufgrund von aus rechtlicher Sicht anerkannten Good Practices.
Good Governance in Nonprofit Organisationen äußert sich durch die Grundsätze: Gewaltenteilung, effiziente und verantwortungsvolle Führung und Aufsicht, Transparenz der Leitung und Aufsicht, Berücksichtigung der InteressenträgerInnen.
Im Kodex werden diese Grundsätze sowie die Zusammensetzung, Rechte und Pflichten der unterschiedlichen Organe von Nonprofit Organisationen (Mitgliederversammlung, Leitungsorgan, Aufsichtsorgan, operative Geschäftsleitung) beschrieben: Grundätze S. 5-7, Organe S. 9-17.

Download auf der Website der Wirtschaftsuniversität Wien: Österreichischer NPO-Governance Kodex. Regeln und Leitlinien für die Aufsicht und Leitung einer Nonprofit Organisation: https://www.wu.ac.at/npocompetence/npo-governance-kodex-oesterreich

EU-Projekte zu Good Governance im Sport


Das Projekt "Sport 4 Good Governance" (2012-2013) des EOC EU Office mit 14 anderen Organisationen aus Sport, öffentlicher Verwaltung und Bildung zielte darauf ab, Good Governance Prinzipien bzw. gute Verbandsführung in Europa zu fördern und weiterzuentwickeln sowie die erfolgreiche Etablierung von Good Governance Prinzipien in der Verbandsarbeit zu unterstützen. Im Rahmen des Projekts wurde ein Ausbildungskoffer entwickelt, der interessierten Sportverbänden bzw. MultiplikatorInnen Instrumente in die Hand gibt, wie Good Governance Prinzipien in die tägliche Verbandsarbeit eingebunden werden können. Der "Sport 4 Good Governance" Ausbildungskoffer wurde auch ins Deutsche übersetzt.

Der Ausbildungskoffer beinhaltet:

  • Master Präsentation über Good Governance
  • erklärende Ausführungen
  • Programmvorschlag für einen Good Governance Workshop
  • Selbst-Evaluierungsprogramm
  • Praxisbeispiele
  • Interviews
  • Best Practice Beispiel

Hier finden Sie den Ausbildungskoffer - Tool Kit (erster Download)
Projektwebsite: www.s4gg.eu


Das Folgeprojekt SIGGS (Support the Implementation of Good Governance in Sport) will Good Governance im Sport fördern und unterstützen, indem praktische Anleitungen zur Verfügung gestellt werden, wie man Prinzipien der guten Verbandsführung umsetzen kann. Good Governance wird zunehmend zu einem Kernthema für die Sportorganisationen auf allen Ebenen. Dafür gibt es viele Gründe, wie der Druck der ordnungsgemäßen Verwendung öffentlicher Mittel sowie die Verantwortung der Sportorganisationen gegenüber ihrem Sport und anderen Stakeholdern.

Weitere Informationen zum Projekt SIGGS auf der Projekt-Website: www.siggs.eu
Das Online-Tool zur Selbstbewertung, welches im Rahmen des Projekts entwickelt wurde, steht auf der Website http://siggs.novagov.com/ zur Verfügung.


Aktuell wird ein weiteres Projekt im Bereich Good Governance des EOC EU Offices durchgeführt: POINTS Projekt: www.points-project.com